Skiing – it’s a game!
Dass spielerisch Skifahren lernen den meisten Menschen angenehmer scheint als methodischer Pistendrill, liegt auf der Hand. Was aber steckt dahinter und vor allem wie fühlt es sich an, wenn man (mit) der richtigen Bewegung auf die Spur kommt. Moshe Feldenkrais beschreibt Empfindungen beim Bewegen, die hier in einem kleinen Exkurs in den Schnee gebracht werden.
Wie ein unbedarftes Kind, das noch nicht in das Korsett diverser Skilehrmethoden gezwängt ist, hat auch jeder Erwachsene die Wahl zwischen verschiedenen Verhaltensweisen und Handlungen. Anstelle von gewohnten Mustern kann Spontaneität aufkommen – man könnte das mit Reife im eigentlichen Sinn gleichsetzen.
Das Erlernen einer richtigen Handlung beim Skifahren, erfolgt nicht plötzlich sondern Prozesshaft im Auskundschaften der Möglichkeiten des eigenen Körpers. Richtiges Bewegen ist daher nicht abhängig von der physiologischen Ausstattung eines Menschen – selbst ein Mensch mit körperlichen Handicaps kann eine gute bzw. für ihn persönlich richtige Bewegung erlernen.
Moshe Feldenkrais beschreibt vier Empfindungen, die bei einer gut gelernten Handlung auftreten, ich versuche sie ein wenig in den Schnee zu übersetzen:
Mühelosigkeit – eine Kurve erscheint mühelos, unabhängig davon, wie hoch der eigentliche Energieaufwand ist. Das Gegenteil dieser auch nach Außen sichtbaren Leichtigkeit, ist eine ungünstige Handlung, die verkrampft wirkt. Dieses Verkrampfen, ist ein Indikator dafür, dass neben der zweckmäßigen Handlung noch weitere unnötige Handlungen mitspielen. Feldenkrais nennt das parasitäre Bewegungen.
Widerstandslosigkeit - es gibt Widerstände, die für einen Skifahrer nicht zu überwinden sind. Wenn eine Felswand in der Steilrinne die Spurwahl einschränkt, kann man sie nicht mit Muskelkraft verschieben. Die Muskeln können höchsten Energieaufwand leisten, es bleibt ohne Wirkung. Der Körper erhält zwei widersprüchliche Impulse. Einmal einen Impuls des Wollens, andererseits den Impuls des unverrückbaren Bergs. Die ganze Handlung ist unsinnig.
Neben dem physischen Widerstand gibt es das Empfinden von Widerstand bei unterschiedlichen persönlichen Motivationen. Eine gute Handlung entspricht einer einzigen und klaren Motivation. Oft gelingt eine Handlung deswegen nicht, weil mehr geleistet wird als für die Handlung notwendig ist.
Auch beim Lernen von Neuem unter schwierigen Bedingungen kommt es zu Anspannung und vielen unnötigen bzw. widersprüchlichen Handlungselementen. Obzwar es eigentlich theoretisch möglich wäre, einem völligen Skianfänger die erste Schussfahrt in einem vereisten 60° Couloir beibringen zu wollen, wäre auch dieses Bestreben völlig unsinnig. Aber das Schussfahren, kann jedem sofort gelingen, wenn zunächst nicht das Bremsen im Vordergrund steht – die Geländewahl spielt beim Lernen stets eine entscheidende Rolle – auf einem sanften Hang mit einem sanften Auslauf am Anfang kann jeder Mensch die ersten Erfahrungen gut aufnehmen.
So ist es viel einfacher alle widersprüchlichen Handlungen wegzulassen und nur jene Bewegungen stattfinden zu lassen, die in die gewünschte Richtung gehen. Am Weg zum selbständigen Lernen sollte nicht unrationell und verschwenderisch mit der Kraft umgegangen werden. Die eindeutige Koordination von Motivation und Muskulatur bringt einem viel schneller ans Ziel.
Die Beschäftigung mit dem Widerstand ist wichtig, weil sie innere Unklarheiten oder Unsicherheiten erkennen lässt. Wenn der Widerstand nicht bewusst wird, kann er nicht bearbeitet und abgelöst werden. Die Ablöse erfolgt erst in dem Augenblick, in dem der Widerstand für den Menschen unnötig wird.
Umkehrbarkeit - richtiges Handeln lässt sich anhalten, fortsetzen oder umkehren. Umgelegt auf das Skifahren könnte das zum Beispiel bedeuten: ich bestimme den genauen Punkt an dem ich stehen bleibe, den nächsten Schwung ansetze, oder anstelle des Außenskis besser den Innenski belaste.
Bei ungeübten Skifahrern kann man sehr Häufig das Phänomen des „in-die-Garage-Fahrens“ bemerken. Unter zu schwierigen Bedingungen wird die nächste Kurve so lange hinausgeschoben, bis sich der Betroffene ganz an den Pistenrand bewegt und dort stoppt oder gestoppt wird. Nun hat er weder das Tempo noch den Platz einigermaßen locker in eine andere Fahrtrichtung zu gelangen. Da sich ihm nun eine Situation auftut, die ihm eine Kurve unmöglich erscheinen lässt, entsteht eine Situation, die nicht mehr wünschenswert ist. Der Mensch bekommt Angst, verliert seine Kontrolle und damit den Spielraum seiner Wahlmöglichkeiten. Die Fähigkeit zur Umkehr verweist eindeutig auf eine richtige Handlung, Bewegung oder Haltung.
Atmung - Das Anhalten des Atems weist auf ein nicht optimales Handeln hin. Unrhythmisches Atmen beeinflußt komplex andere Körperprozesse, insbesondere die Aufgaben des Blutes.
Handlung, Bewegung und Haltung unter der Voraussetzung von Mühelosigkeit, Widerstandslosigkeit, Umkehrbarkeit, effektiver Atmung, setzen einen Lernprozess und auch oft Umlernen voraus; – viele zwanghafte Muster sind schon in der Kindheit oder durch unsinnige Bewegungsanleitungen am Anfängerhang entstanden – also unter Abhängigkeit – erlernt worden.
Das Ziel zwanghafte Handlungsmuster von Gefühlen zu lösen, einen besseren Einblick in die eigenen Voraussetzungen zu bekommen und die Auflösung von äußerem Druck und Abhängingkeit zu erlangen, bedeutet, dass man seine Handlung frei wählen und klar entscheiden kann ob sie sich für die jeweilige Situation als wirklich zweckmäßig erweisen.
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