Schi Heil!

stories | Yearbook 08/09 | nicola 16. Juni 2008 

Es waren schlimme Zeiten als man in der Schule mittels Kopfnuss zur Rechenschaft gezogen wurde, wenn man sein Wintersportgerät schriftlich als Ski bezeichnete. Zweifelsohne, Kopfnüsse sind schmerzlich; in Anbetracht der unvorstellbaren Grausamkeiten, die jener Komiker in Petto hatte, der hinter dem orthographischen Beharren am „Sch“ stand, aber vergleichsweise eine Zärtlichkeit.

Denn auch der Skilauf wurde in Deutschland und Österreich im Zweiten Weltkrieg ideologisch durch den Nationalsozialismus vereinnahmt, ob der Wurzeln vieler Skiclubs in Alpinvereinen nicht weiter verwunderlich – bereits 1905 waren Juden von der Mitgliedschaft in einigen Sektionen des Österreichischen Alpenvereins ausgeschlossen!

So wurden Wehrmachts-Gebirgsjäger zu leuchtenden Vorbildern des deutschen Volkes erklärt, Alpenglühen und Pulverschnee arisiert. Ideale Skikanonen – hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder – zählten mit zum wichtigsten Instrument des vom “Reichsfachamt Schilauf” durchgeführten ideologischen „Winterhilfswerks“ an Pimpfen und Jungmädeln.

Weniger bekannt ist, das den Nationalsozialismus prägende Verwaltungschaos. Ein Runderlass Heinrich Himmlers "zur Erzielung einer Einheitlichkeit im Schriftverkehr" vom 22. 12. 1941 weist alle Polizeiorgane an, dass künftig nur noch die Schreibweise ,Ski’, Mehrzahl ,Skier’ zu verwenden sei. Schon am 3. 1. 1942 konterte der Kanzleichef der NSDAP, Martin Bormann: "Damit wir nicht zu ähnlichen Verhältnissen kommen, wie sie im Englischen herrschen, wünscht der Führer, dass Schi mit Sch und nicht mit Sk geschrieben wird."

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