Vorfreude ist die schönste Freude
Draußen legt der Sommer jetzt gerade so richtig los und auf den Bergen schmelzen die letzten Schneefelder weg. Weiter entfernt wie zu dieser Jahreszeit kann sich eine leidenschaftliche Skifahrerin wie ich gar nicht von ihrer Lieblingsbeschäftigung fühlen. Doch die Sehnsucht nach der weißen Pracht lässt zumindest bei mir auch im Sommer kaum nach. Da heißt es also die Fotos vom letzten Skiurlaub anzugucken, ab und zu meine Schwung-Fu (Edelwiser Swing) an ihrem Sommerparkplatz in der Zimmerecke abzustauben und, als Nordlicht, auch der Skihalle in regelmäßigen Abständen einen Besuch abzustatten.
Besonders schön ist es auch immer, schon im Sommer mit den Plänen für die nächste Saison zu beginnen. So kann die Vorfreude auf das nächste Großereignis schon beginnen, wenn der Sommer-Wachs an den Schwung-Fu noch nicht ganz trocken ist. Und wo wir gerade dabei sind – ja, ich gebe es zu, ich trage in meinen Kalender sogar jedes Mal einen Countdown ein, der mir genau sagt, wie lange es noch dauert, bis ich wieder auf den Brettern stehen werde. In geradezu kindliche Begeisterungsstürme kann ich geraten, wenn die Abfahrt in mein "Heimatskigebiet" Sankt Johann im Pongau kurz bevorsteht (www.alpendorf.com). In so einem Hochzustand schrieb ich letztes Jahr einen Tag vor der Abreise zum Beispiel dieses hier in meinen Blog:
Wie schon gesagt, ich freue mich auf so viele dinge, ich müsste eigentlich platzen vor lauter vorfreude!
also erst mal freue ich mich darauf, endlich wieder nach sankt johann zu kommen, meinem "heimatskigebiet", denn hier hat mich die skisucht so richtig gepackt. ich freue mich darauf, am salzburger flughafen zu landen, allein schon, weil es salzburg ist und ich die stadt so gerne mag. dann freue ich mich auf den weg nach sankt johann, auf die spannung, die mich jedes mal befällt, weil man nie weiß, ob das wetter auf der einen seite des einen tunnels vielleicht ganz anders ist als auf der anderen. ich freue mich auf den weg hoch ins alpendorf und den ersten blick auf die talstation. dann sind wir auch schon fast am hotel. auch das kenne ich schon gut, aber ich bin sehr gespannt, denn es wurde groß um- und angebaut. und dann freue ich mich darauf, mich rasend schnell umzuziehen und endlich, endlich wieder auf den pisten zu fahren, wo ich trotz nicht vorhandenem orientierungssinn mittlerweile fast jeden buckel kenne. dieses jahr ist auch endlich die talabfahrt wieder offen, das bedeutet wunderschöner apres ski in meiner lieblingshütte. in der lieblingshütte treffe ich dann auch die ganzen leute wieder, die ich dort kenne und darauf freue ich mich natürlich auch besonders. weiter freue ich mich, dass unsere urlaubsfreunde mit meinem lieblingskind jule auch wieder zur gleichen zeit kommen.
außerdem freue ich mich auf skifahren, skifahren, skifahren, ach ja, und aufs skifahren, auf weißen spritzer mit orangenscheibe, auf krapfen bei der krapfenalm, auf die grafenberg-piste nach wagrain, auf lustige, alberne hammerspielchen beim apres ski (muss auch mal sein ), auf den leckeren hefekuchen-auflauf-irgendwas-nachtisch mit gaaaaanz viel vanillesoße und, und, und….
Nicht ganz zum Skifahren, dazu aber um so mehr zum Thema Freude passt für mich auch dieses Gedicht von Mascha Kaléko:
Sozusagen grundlos vergnügt
Ich freu mich, daß am Himmel Wolken ziehen
Und daß es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.–
Daß Amseln flöten und daß Immen summen,
Daß Mücken stechen und daß Brummer brummen.
Daß rote Luftballons ins Blaue steigen.
Daß Spatzen schwatzen. Und daß Fische schweigen.
Ich freu mich, daß der Mond am Himmel steht
Und daß die Sonne täglich neu aufgeht.
Daß Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem. Daß ich bin.
In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,–
Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.
Ich freue mich, daß ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Daß alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freue mich, daß ich … Daß ich mich freu.
Mascha Kaléko, aus: „Mein Lied geht weiter“
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