SHI – ein Ski-Dialog

events | nicola 28. Januar 2010 
29. 1. 2010bis31. 1. 2010

 

SHI ist das chinesische Wort für Gedicht. Was Ski, abgesehen vom gleichen Klang im Chinesischen mit einem Gedicht zu tun haben? Vieles! Skifahren ist Poesie, schafft Gefühle, die sich der Alltagssprache des Skisports weitgehend entziehen. Und Skifahren wird ebenso wie ein Gedicht als angenehm empfunden, wenn Rhythmus und Harmonie stimmen.
SHI ist ein Brainstormin-Ski-Ausflug ins Kühtai (29. bis 31.1.1020), bei dem der weiblichen Seite des Skilaufes auf die Spur gekommen werden soll. Eine kleine Runde von Personen aus den Bereichen Skilauf, Kunst, Wissenschaft, Medien will zwei Tage lang, On- und Offpist, im Jagschloss Kühtai die weibliche Seite des Skilaufes diskutieren, erspüren, erfahren, … mehr über diese Veranstaltung, Hintergrund, Teilnehmer, etc. erfährst Du hier:

Bei diesem Ausflug geht es natürlich ums Skifahren, aber ganz besonders auch darum, die Gedanken kreisen und fliegen zu lassen. Zwei Tage, in der außergewöhnlichen Atmosphäre des Jagdschloss Kühtai und auf den sanften Hängen der umliegenden Stubaier Alpen, um dem weiblichen Aspekt des Skifahrens gemeinsam auf die Spur kommen.

Die Tatsache, dass Skifahren maskulin besetzt ist, hat ihre Wurzeln in der historischen Entwicklung. Die Skis, die es seit rund 10 000 Jahren gibt, waren im Ursprung Fortbewegungsmittel zur Jagd und im Krieg. Auch Ski-Unterricht entspringt in den ersten Ansätzen sehr stark der Ausbildung von Soldaten. Kein Wunder also, dass Skifahren auch heute, teilweise noch mit dem Begriff des „Beherrschens“ in Verbindung gebracht wird; vorwiegend dort wo Drill, statt Leichtigkeit im Vordergrund steht.

Aber, es tut sich was – auch auf den Pisten und im Puder. Der Einfluss des Snowboards und der Wunsch nach Individualität führten eine entscheidende Wende herbei. Die Skigebiete sind bunter und vielfältiger bevölkert als je zuvor. Junge und junggebliebene Menschen drücken sich durch individuelle Kleidung und Musikgeschmäcker aus und wollen die Berge nicht mehr wedelnd, im uniformen Stil bezwingen. Im Hintergrund dieser Stil-Impulse finden sich aber auf „energetischer Ebene“ noch andere Dinge: die Skis sind feiner geworden, statt von Härte und Länge spricht man von Taillierung und Flex, man kann die Stöcke weglassen und auf der Kante fahren. Skifahrer und Snowboarder bewegen sich ähnlich und sehen sich nicht mehr als getrennte Kasten. Sie pfeifen gemeinsam um die Kurven und vor allem auf die planmäßige Ski-Routine.

Auch die Rolle der Frau hat sich gewandelt. Sie geht mit lieber mit Männern Ski fahren, die sie nicht als Skihaserl betrachten, sondern das Schnee-Vergnügen mit einer gleichwertigen Partnerin teilen. Das beginnt bei der Planung des Ski-Urlaubs, egal ob frisch verliebt oder als Jungfamilie mit Kind und Kegel und hört bei der Einschätzung der Lawinengefahr im Gelände auf. Gemeinsam ist es eben sicherer, einfacher und schöner! Dort wo sich Frauen und Männer mit ihren Stärken ergänzen ist der Freiraum größer, der Skifahren so schön leicht macht.

Beim sprichwörtlichen Erfahren der neuen Leichtigkeit des Skis haben Frauen allerdings einen Vorteil, weil sie dort wo Männer oft mehr Kraft einsetzen, mit Gefühl punkten können. Auch dafür gibt es eine natürliche Erklärung durch die tausende Jahre alten, unterschiedlichen Rollenbilder und last not least die feinen Unterschiede der Anatomie. So entwickelten Männer eine Bewegungskoordination, die Kraft einsetzt und den Orientierungssinn zum Zielen und Werfen ausprägte, während bei Frauen die Feinmotorik im Vordergrund steht. Männer neigen eher zu aggressiverer Bewegung als Frauen, deren Stil mehr von weichen, harmonischen Bewegungen geprägt ist. Während bei Männern die Technik mehr Gewicht hat, steht bei Frauen der Stil im Vordergrund, der mit der Technik verschmilzt. Frauen sind oft irritiert, wenn sie von Skilehrern technische Schritte vorgezeigt bekommen, Männer oft ratlos wenn die „Bedienungsanleitung“ fehlt.

Deshalb ist es wohl nahe liegend, dass sich auch das Lernen im Schnee weiter entwickelt. Der moderne Schnee-Pädagoge hat vieles neu entdeckt, schaut mehr zu und macht weniger vor, denn für alle Menschen ist ihre persönliche Ausdrucksform elementar. Technische Anleitungen sind hilfreiche Ansätze um ein Problem zu lösen, aber nur wirksam wenn sie persönlichen Stil miteinbeziehen können.

Soweit scheint alles gut zu laufen. Warum also ein Treffen mit dem Inhalt „die weiblichen Ski-Aspekte“ zu betrachten? Weil die Sache nicht so klar ist, wie manche sie schon sehen! Weil sich Rollen und Klischees hartnäckig halten. Weil es endlich Zeit für ein Treffen ist, bei dem sich Menschen darüber austauschen, wie eine Botschaft aussehen könnte, die Missverständnisse und Konflikte ausräumt und Männern wie Frauen mehr Selbstvertrauen zum Entdecken von Neuem gibt.

Wir könnten uns Fragen stellen. Zum Beispiel: warum die Ski Industrie Männern zu aggressive und Frauen zu schlappe Skis andrehen kann, wieso sich Frauen beim Skifahren von ihren „rasenden“ Männern „hetzen“ lassen, weshalb der Partner meistens als Skilehrer versagt, wie es kommt, dass der Familien-Ski-Urlaub oft zum Debakel wird?

Wir werden Antworten finden und auf viele neue Fragen stoßen, wir werden lernen und lachen, wir werden Skifahren und diskutieren; in erster Linie soll es uns Freude machen und vielleicht finden wir eine Botschaft, die wir gemeinsam mitteilen können!

Teilnehmer:

Vorab haben die Künstler für den Event bereits einige Skidesigns entworfen und können Ihre Designs auch gleich am Schnee ausprobieren

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